Die EU bereitet sich auf die Einführung des digitalen Euro vor: Was ändert sich für Bürger und Unternehmen?
Inhaltsübersicht
- Was ist der digitale Euro und worin unterscheidet er sich von herkömmlichem Geld?
- Wie wird der digitale Euro für normale Nutzer funktionieren?
- Was wird der digitale Euro für Geschäfte, Banken und Zahlungsdienstleister ändern?
- Warum braucht die Europäische Union ein eigenes digitales Zahlungsinstrument?
- Wann könnte der digitale Euro in Europa eingeführt werden?
- Welche Fragen zum digitalen Euro sind noch offen?
Das Europäische Parlament hat grünes Licht für die Aufnahme der abschließenden Verhandlungen über den digitalen Euro gegeben, der eine allgemein zugängliche Alternative zu privaten Zahlungssystemen werden soll. Das Pilotprojekt soll 2027 anlaufen, und die erste vollständige Einführung ist für 2029 vorgesehen. Erfahren Sie mehr über die Funktionsweise des digitalen Euro, die geplanten Beschränkungen sowie die Auswirkungen auf Verbraucher und Unternehmen
Das Europäische Parlament hat den Übergang in die letzte Verhandlungsphase zum digitalen Euro befürwortet. 416 Abgeordnete stimmten für die Aufnahme der interinstitutionellen Konsultationen, 169 sprachen sich dagegen aus, weitere 22 enthielten sich der Stimme. Nun müssen sich die Vertreter des Europäischen Parlaments und der Regierungen der Mitgliedstaaten auf das endgültige Modell der neuen Geldform einigen, insbesondere auf die Regeln für Gebühren und Entschädigungen für Banken und Zahlungsdienstleister.
Nach Angaben von Euronews werden die intensivsten Verhandlungen für Herbst 2026 erwartet, die endgültige Verabschiedung der Gesetzgebung soll bis Ende des Jahres erfolgen. Wenn der Prozess planmäßig verläuft, werden die Tests des digitalen Euro in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 beginnen, und die Europäische Zentralbank wird technisch bereit sein für eine mögliche Einführung im Jahr 2029.
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Was ist der digitale Euro und worin unterscheidet er sich von herkömmlichem Geld?
Der digitale Euro wird eine elektronische Form des staatlichen Geldes sein, die von der Europäischen Zentralbank ausgegeben und garantiert wird. Sein Wert entspricht dem des herkömmlichen Euro: Ein digitaler Euro entspricht einem Euro in bar oder auf einem Bankkonto.
Es handelt sich weder um eine Kryptowährung noch um eine neue Währung mit schwankendem Wechselkurs. Der digitale Euro wird Banknoten, Münzen und Bankzahlungen ergänzen, diese jedoch nicht ersetzen. Die Nutzer werden ihr Guthaben in einer speziellen digitalen Geldbörse aufbewahren, die über eine Bank oder einen anderen autorisierten Zahlungsdienstleister eröffnet wird.
Das neue System ermöglicht es:
- Einkäufe in herkömmlichen Geschäften und Online-Shops zu bezahlen
- Geld an andere Nutzer zu überweisen
- Zahlungen per Smartphone oder Karte durchzuführen
- Auch ohne Internetverbindung zu bezahlen
Die technische Infrastruktur wird von der EZB bereitgestellt, doch die direkte Kundenbetreuung, die Eröffnung von Geldbörsen und die Abwicklung der Transaktionen werden von Geschäftsbanken und Zahlungsdienstleistern übernommen. Für die Verbreitung des digitalen Euro ist zudem geplant, Anbieter aus EU-Ländern, die nicht zur Eurozone gehören, zuzulassen.
Wie wird der digitale Euro für normale Nutzer funktionieren?
Bürger können eine digitale Geldbörse über eine Bank oder einen anderen Zahlungsanbieter eröffnen. Die Basisdienste sollen kostenlos sein: Nutzer zahlen keine Gebühren für die Eröffnung und Schließung der Geldbörse, die Verwahrung von Guthaben, Standardüberweisungen sowie das Aufladen oder Abheben von digitalen Euro.
Gleichzeitig wird es nicht möglich sein, unbegrenzte Beträge in der Geldbörse anzusammeln. Die EZB wird ein Limit festlegen, damit eine massive Umwandlung von Bankeinlagen in die digitale Währung keine Risiken für das Finanzsystem mit sich bringt. Die konkrete Höhe des Limits ist noch nicht festgelegt. Wenn der Kaufbetrag das verfügbare Guthaben oder das festgelegte Limit übersteigt, kann die Geldbörse automatisch mit einem Bankkonto verknüpft werden.
Besonderes Augenmerk wird auf den Datenschutz gelegt. Die EZB darf keine Daten erhalten, die eine direkte Identifizierung des Nutzers anhand seiner Zahlungen ermöglichen. Bei Offline-Transaktionen werden die Transaktionsdaten ausschließlich auf den Geräten des Zahlers und des Empfängers gespeichert, was solche Zahlungen der Verwendung von Bargeld annähert. Gleichzeitig unterliegen Online-Zahlungen den Anforderungen der Finanzüberwachung und der Geldwäschebekämpfung.
Was wird der digitale Euro für Geschäfte, Banken und Zahlungsdienstleister ändern?
Die meisten Unternehmen in der Eurozone müssen den digitalen Euro ebenso wie andere gesetzliche Zahlungsmittel akzeptieren. Eine Ausnahme ist für Selbstständige sowie Kleinst- und Kleinunternehmen vorgesehen, die überhaupt keine elektronischen Zahlungen akzeptieren.
Für Händler könnte das neue System die Kosten für die Transaktionsabwicklung senken. Es wird erwartet, dass die Gebühren für die Annahme des digitalen Euro niedriger sein werden als die derzeitigen Gebühren für Kartenzahlungen. Während einer Übergangsphase von mindestens fünf Jahren werden diese Gebühren auf der Grundlage der Tarife für vergleichbare Zahlungsmittel begrenzt. Danach werden die Höchstsätze unter Berücksichtigung der tatsächlichen Systemkosten berechnet.
Das schwierigste Thema der abschließenden Verhandlungen bleibt das Ausgleichsmodell. Die europäischen Institutionen müssen Folgendes festlegen:
- Welche Banken und Zahlungsdienstleister erhalten eine Vergütung?
- Wer trägt deren Kosten?
- Wie werden die Gebühren unter den Teilnehmern der Zahlungskette aufgeteilt?
- Wie hoch ist die maximale Gebühr für Händler?
Die Banken befürchten zusätzliche Kosten für die Einrichtung von Wallets, die Kundenüberprüfung und die Abwicklung von Transaktionen. Gleichzeitig könnten zu hohe Gebühren den digitalen Euro für Unternehmen unattraktiv machen. Gerade das Gleichgewicht zwischen der Zugänglichkeit des neuen Systems und einer fairen Vergütung der Dienstleistungen der Anbieter wird das zentrale Thema der Verhandlungen im Herbst 2026 sein.
Warum braucht die Europäische Union ein eigenes digitales Zahlungsinstrument?
Eines der Hauptziele des Projekts ist es, die Abhängigkeit Europas von internationalen Zahlungssystemen zu verringern. Derzeit gibt es in der Eurozone kein einheitliches europäisches digitales Zahlungsmittel, das in allen Ländern und für alle Arten von Transaktionen verfügbar ist.
Nach Angaben der EZB wickeln internationale Zahlungssysteme etwa 61 % der Kartentransaktionen in der Eurozone ab. Dabei sind 13 der 20 Länder der Währungsunion vollständig von solchen Systemen abhängig, und in der gesamten EU gibt es nur neun nationale Kartensysteme.
Das Marktvolumen wächst weiter. In der ersten Hälfte des Jahres 2025 wurden in der Eurozone 44 Milliarden Kartenzahlungen mit einem Gesamtwert von 1,7 Billionen Euro getätigt. Das sind 9,6 % bzw. 8,7 % mehr als im gleichen Zeitraum des Jahres 2024. Auf Kartenzahlungen entfielen 57 % aller bargeldlosen Transaktionen.
Der digitale Euro soll eine europaweite Alternative schaffen, die nach einheitlichen Regeln funktioniert und unter der Kontrolle der europäischen Institutionen steht. Dies ermöglicht es der EU, Zahlungsdaten und die zentrale Finanzinfrastruktur in ihrer eigenen Gerichtsbarkeit zu behalten, den Wettbewerb zu stärken und das Risiko von Störungen zu verringern, falls der Betrieb ausländischer Anbieter eingeschränkt wird.
Wann könnte der digitale Euro in Europa eingeführt werden?
Der digitale Euro ist noch nicht in Umlauf gebracht worden. Die Abstimmung im Europäischen Parlament hat lediglich den Weg für Verhandlungen mit dem Rat der EU über den endgültigen Gesetzestext geebnet. Die intensivste Phase der Beratungen wird für Herbst 2026 erwartet, und die Einigung über die Regeln soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.
Der weitere Zeitplan sieht wie folgt aus:
- Zweite Hälfte des Jahres 2026 – Verhandlungen zwischen dem Europäischen Parlament und den Regierungen der EU-Mitgliedstaaten;
- Zweite Hälfte des Jahres 2027 – Beginn der Pilotphase
- 2027–2028 – Durchführung eines 12-monatigen Pilotprojekts unter realen Bedingungen
- 2029 – mögliche erste Ausgabe des digitalen Euro
Während der Testphase werden die Teilnehmer Zahlungen in Geschäften, Online-Einkäufe und Überweisungen zwischen Nutzern prüfen. Die EZB hat bereits über 50 Bewerbungen von großen und kleinen Banken sowie anderen Zahlungsanbietern erhalten, die an einer Teilnahme am Pilotprojekt interessiert sind.
Gleichzeitig bleibt das Jahr 2029 ein vorläufiger Zeitrahmen und kein garantiertes Startdatum. Die endgültige Entscheidung über die Einführung wird die EZB nach Verabschiedung der entsprechenden Verordnung und Auswertung der Testergebnisse treffen.
Welche Fragen zum digitalen Euro sind noch offen?
Trotz des Übergangs zu den abschließenden Verhandlungen ist das endgültige Modell des digitalen Euro noch nicht festgelegt. Das Europäische Parlament, der Rat der EU und die EZB müssen sich auf mehrere grundlegende Parameter einigen.
Vor allem ist das maximale Guthaben des digitalen Geldbeutels noch unbekannt. Das Limit muss für alltägliche Zahlungen ausreichen, darf aber nicht so hoch sein, dass die Bürger beginnen, Geld massenhaft von ihren Bankeinlagen abzuheben. Dies könnte die Ressourcen der Banken für die Kreditvergabe schmälern und Risiken für die Finanzstabilität mit sich bringen.
Außerdem müssen die Verhandlungspartner Folgendes festlegen:
- das endgültige Modell für die Entschädigung von Banken und Zahlungsdienstleistern
- die Höchstgebühren für Händler
- die Liste der Unternehmen, die zur Annahme des digitalen Euro verpflichtet sind
- die Regeln für die Verarbeitung personenbezogener Daten bei Online-Zahlungen
- die Mechanismen zum Schutz vor Betrug, Cyberangriffen und technischen Störungen
Eine besondere Herausforderung besteht darin, den Datenschutz mit den Anforderungen der Finanzüberwachung in Einklang zu bringen. Der digitale Euro soll mehr Privatsphäre gewährleisten als die meisten kommerziellen Zahlungsdienste, darf jedoch nicht zu einem anonymen Instrument für illegale Transaktionen werden. Gerade von den endgültigen Entscheidungen zu diesen Fragen hängen die Bedingungen für die Einführung und das Vertrauen der Nutzer ab.
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Häufig
gestellte Fragen
Ist der digitale Euro eine Kryptowährung?
Wird man den digitalen Euro auch ohne Internet nutzen können?
Muss man für die digitale Geldbörse bezahlen?
Werden Touristen den digitalen Euro nutzen können?
Wann wird der digitale Euro in Umlauf kommen?
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